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Kazupi-Illustration zur Gefühlsanalyse – Kazupi im gelben Katzenohren-Hoodie schaut nachdenklich zur Seite

Gedankenchaos auseinandernehmen

Mit der Gefühlsanalyse mehr Klarheit gewinnen

Auf dieser Seite findest du Beispiele für typische Alltagssituationen aus Schule, Freundschaft und Familie und wie man sie Schritt für Schritt gedanklich einordnen kann. Die Gefühlsanalyse ist eine einfache Methode, um Gedanken, Gefühle und mögliche Reaktionen zu sortieren. Sie hilft dabei, Abstand zu bekommen, Entscheidungen bewusster zu treffen und nicht nur aus dem ersten Impuls heraus zu handeln.

Gefühlsanalyse

Kazupi – Logo der Figur Kazupi

Ab in die Gefühlsanalyse

Jetzt wird es persönlich! Vorbei mit der gezähmten Kazupi. Hier kriegst du die volle Ladung.

Als ich so 12–14 war, war mein Umgang mit Gefühlen ... nicht gerade kreativ. Ich habe mir klischeemäßig Süßkram reingeschoben, traurige Musik gehört, mein Gehirn mit Serienmarathons abgelenkt und aus Wut oder Verzweiflung den ganzen verdammten Planeten angebrüllt.

Niemand hat mich so richtig verstanden. Die Süßigkeiten landeten an der Hüfte, die sentimentale Musik hat mich noch mehr runtergezogen, und mein Umfeld war (und ist manchmal immer noch) von mir genervt. Dafür bin ich ein wahrer Serienprofi geworden. Brauchst du Empfehlungen?

Irgendwann habe ich die Gefühlsanalyse entdeckt. Kein Hexenwerk, sondern eine Methode, die mir bei irgendeinem Info-Tag in der Schule hängengeblieben ist. Ich hab sie dann kazupinisiert. Warum sie mir gefällt? Weil sie mich sortiert, bevor ich wie eine Furie auf meine Umwelt losgehe oder mich selbst noch mehr schinde.

Alsooooo: Schnapp dir ein Blatt Papier, eine App, dein Tagebuch, ein Whiteboard, einen fuc... ruhig Kazupi, ruhig. Lies dir meine Analysen durch, setz deinen Stempel drauf und wende sie für dich an.

(Das hier ist ein Text aus meiner Perspektive. Da steckt vieeel Ich drin. Wenn du merkst, dass es dich triggert: Pausen sind vollkommen in Ordnung.)

Ich hab Angst vor der Klassenarbeit morgen und fühl mich komplett unvorbereitet

Die Situation

Morgen ist die Klassenarbeit und ich weiß das eigentlich schon seit Tagen. Klar. Ist immer so. Lehrerin kündigt es an, mein Gehirn sagt mir jedes Mal: „Du hast noch Zeit.“ Und jetzt habe ich den Salat. Jetzt sitze ich hier mit meinen Heften und weiß nicht, womit ich anfangen soll. Als würde ich gerade eine Aliensprache lernen müssen. Irgendwelche Hieroglyphen entziffern, die selbst DeepL so stark ins Schwitzen bringen, das finnische Saunierer neidisch werden. Obwohl … Neee. Aliensprache wäre leichter. Viel leichter. Da besteht zumindest der Bruchteil einer Chance, dass die uns besuchen kommen und ich einfach persönlich nachfragen kann. Erstkontakt, wo bist du, wenn man dich braucht?! Aber die verschmierten Notizen aus dem Unterricht? Die Gedankensprünge meiner Lehrerin? Never. Ich lese etwas, merke mir aber kaum was. Es fließt einfach durch mein Gehirn durch. Und dann ist da noch mein Handy. Ich greife immer wieder hin, obwohl ich weiß, dass es mir hier nicht helfen kann. Es lenkt nur ab. Und je später es wird, desto größer wird das Gefühl: Ich bin zu spät dran. Ich habe riesengroßen Schiss vor der Klassenarbeit und stecke in einer fetten Lernblockade. Shit.

Die K(n)ackpunkte

Das macht die Situation besonders schwer:

  • Ich hab Angst vor einer schlechten Note. Ist so. Die Note triggert mich komplett.

  • Ich will niemanden enttäuschen. Aber wer ist niemand?

  • Ich hab Angst davor, dumm dazustehen. Schon wieder. Und mir dann das Gequatsche anzuhören. Von Eltern. Lehrer. Freunden. Nervig.

  • Ich setze mich gerade selbst unter extremen Druck. So kann ich nichts lernen.

  • Mein Körper fühlt sich wie nach einem zehn Stundenlauf an. Wie soll ich so irgendwas in die Birne kriegen?

Die Gefühlslage 

Angst, Druck, Unsicherheit, fette Selbstzweifel und richtig viel Wut. Auf die Lehrerin. Auf die Schule. Auf die Welt. Auf mich. Vor allem auf mich.

Der Reality Check

  • Wovor hab ich gerade eigentlich am meisten Angst? Vor der Arbeit oder vor dem Gefühl danach?

  • Kann ich jetzt noch irgendwas beeinflussen und was nicht mehr?

  • Wieso habe ich das Gefühl, dass mir der Kopf abgerissen wird? Woher kommt das? Es ist eine Klassenarbeit und keine verbindliche Abhandlung über den Weltfrieden.

Das Pro & Contra Spielchen 

Option A: Ich lerne hektisch bis spät in die Nacht weiter.

  • Pro: Ich hab das Gefühl, wenigstens alles versucht zu haben.

  • Contra: Ich bin am nächsten Tag müde und versau es erst recht.

Option B: Ich teile mir den Stoff in kleine Teile und lerne nur noch das Wichtigste.

  • Pro: Ich bleibe ruhiger und merke mir mehr. Drei gewinnt!

  • Contra: Ich muss akzeptieren, dass nicht alles perfekt wird.

Option C: Ich höre für heute auf, schlafe aus und vertraue auf das, was ich kann.

  • Pro: Mein Kopf ist am nächsten Tag klarer.

  • Contra: Es fühlt sich unsicher an, loszulassen. Kann ich überhaupt einschlafen?

Illustration zur Gefühlsanalyse – ein offenes Notizbuch mit Gedanken, Fragen und Notizen

Meine Eltern kontrollieren mein Handy und ich fühle mich überwacht. 

Die Situation

Sonntagmorgen, Frühstückstisch, familiäres Zusammentreffen unter dem Deckmantel der Nahrungsaufnahme. Der einzige Tag in der Woche, an dem alle mal ungestresst Zeit haben. Oder sich überhaupt mal länger als 10 Minuten sehen. Aber heute ist es irgendwie anders. Zwischen den hartgekochten Eiern, dampfenden Semmeln, Orangensaftkaraffen und Kerrygold-Butter treffen sich die Blicke meiner Eltern im Sekundentakt. Hier ein Augenzucken, dort gehobene Augenbrauen, gefolgt von Stirnrunzeln. Wortlose Augenkommunikation. Leider verstehe ich die Sprache nicht. Und wenn es schon so anfängt, liegt irgendwas im Busch. Och nö… Und dann kommen sie. Die Fragen. Toootal unauffällig.

„Kazupi, wie ist denn dieser Lukas so? Von dem hör ich in letzter Zeit öfter. Ist der nicht in deiner Klasse?“ Oder: „Ich habe gelesen, dass immer mehr Jugendliche Social-Media-süchtig werden. Du bist ja bei so was nicht dabei. Ge?“ Und diese Durch-die-Hintertür-Vertrauen-aufbauen-Taktik darf auch nicht fehlen: „Fotos im Internet kann jeder sehen. Würde mein Chef … Mir wäre das ja … Und wenn dann…“ Bla Bla Bla.

Gar. Keinen. Bock. Überhaupt nicht.

Also nicke ich brav. Grinse bisschen hier und da. Erzeuge ein echt klingendes „Ohhh. Wirklich?“ und ein beruhigendes „Ja, genauso is‘ es!“ Nach dem Essen geht jeder wieder seine Wege. Meiner führt direkt in mein Zimmer. Auf mein Bett. Zum Kissen. Wo das Handy liegt. Ich entsperre es und checke sofort den Browserverlauf. Irgendjemand … Nein. Meine Eltern hatten es in der Hand. Nicht nur den Browserverlauf. Sie haben nicht einmal die letztgeöffneten Apps geschlossen. TikTok, YouTube, Discord, alles geöffnet. Und ich schließe das immer! Mein Handy verwandelt sich sonst in einen überforderten Toaster. Natürlich. WhatsApp wurde auch gelesen. Wahrscheinlich alle Nachrichten. Auch mit Lukas.

Das Vertrauen ist nicht nur angeknackst, so ein bisschen beschädigt, ne, es ist pulverisiert. Und meine Laune gleich dazu.

Die K(n)ackpunkte

Das macht die Situation besonders schwer:

  • Ich weiß nicht, was genau sie gelesen haben. Welche Nachrichten. Welche Bilder. Was sie jetzt über mich denken. Und wieso dann diese komischen Fragen am Tisch?

  • Ich kann ihnen nicht mehr vertrauen. Ab jetzt werde ich mich jedes Mal fragen, wenn ich mein Handy weglege, ob sie es wieder anschauen. Ob die „FBI-Eltern“ wieder zuschlagen.

  • Es geht nicht nur ums Handy, sondern darum, dass sie mir nicht zutrauen, selbst Verantwortung zu tragen. Zumindest fühlt es sich so an.

  • Ich hab das Gefühl, dass nichts mehr mir gehört. Alles wird kontrolliert.

  • Aber vor allem: Vertrauensbruch. Riesenfettergroßer Vertrauensbruch. Soll ich mir auch ihre Handys anschauen? Auf keinen Fall. Nope. Kein Interesse. Wirklich.

Die Gefühlslage 

Wut. Richtig tiefe, kochende, brodelnde, ehrliche Wut. Und Verletztheit. Wieso? Wieso wird so hinterfotzig meine Privatsphäre zerstört?

Der Reality Check

  • Warum machen sie das? Haben sie wirklich Angst um mich? Oder geht es um Kontrolle?

  • Gibt es etwas, das ihre „Sorge“ ausgelöst hat?

  • Wie würde ich reagieren, wenn sie mich einfach gefragt hätten, statt heimlich zu schnüffeln?

  • Kann es sein, dass es gar nicht um mich geht, sondern um ihre Unsicherheit?

Das Pro & Contra Spielchen 

Option A: Ich spreche sie darauf an. (Möglichst beherrscht … möglichst … Schwer…)

  • Pro: Ich zeig sofort, dass es nicht in Ordnung ist! Vielleicht hören sie damit auf.

  • Contra: Sie könnten die Elternkarte spielen. „Wir dürfen das!“ Und dann wird es nur noch schlimmer. Oder sie nehmen mir sogar mein Handy weg.

Option B: Ich ändere alle Passwörter und sperre mein Handy mit einem neuen Code, den sie nicht kennen.

  • Pro: Meine Privatsphäre ist geschützt. Sie kommen nicht mehr so einfach ran.

  • Contra: Das ist quasi eine Kriegserklärung. Sie wissen, dass ich es weiß, und wir alle wissen, dass es irgendwann „besprochen“ werden muss. Wer macht den ersten Schritt? Monatelang warten?

Option C: Ich lösche ab jetzt regelmäßig alles. Browserverlauf, Chats, Apps schließen.

  • Pro: Sie finden nichts mehr. Ich bin vorsichtiger.

  • Contra: Das ist anstrengend. Und es fühlt sich falsch an, dass ICH mich verstecken muss, obwohl SIE die Grenze überschreiten.


​Option D: Ich rede mit jemandem außerhalb der Familie drüber. Freunde? Lehrer? Schulsozialarbeit?

  • Pro: Ich kriege verschiedene Meinungen. Vielleicht kann mir jemand sagen, ob das normal ist oder ob das schon zu viel Kontrolle ist.

  • Contra: Fühlt sich wie Verrat an meinen Eltern an. Aber haben sie mich nicht auch verraten?

Illustration zur Gefühlsanalyse – ein Auge beobachtet ein Smartphone als Symbol für Überwachung

Ich schaue in den Spiegel und finde mich hässlich.

Die Situation

Ich hasse duschen. Es muss ja sein. Ich will meinen Freunden, Eltern und Lehrern nicht als lebendige Restmülltonne begegnen. Trotzdem. Ich hasse duschen.

Eigentlich mag ich es. Nach dem Aufstehen erst mal ein Kälteschock, der jede Müdigkeit aus dem Körper jagt. Und mein Lieblingsshampoo lässt den Tag mit einem Highlight starten. Dass es letzte Woche auch noch im Angebot war und ich gleich ein halbes Dutzend gebunkert habe, ist einfach … perfekte Welt. Aber. Ich hasse duschen.

Deswegen schalte ich nach dem Kälteschock auf Wärmeschock. Einmal, weil das angeblich gesund sein soll. Wechseldusche und so. Keine Ahnung. Und zweitens, weil das ganze Badezimmer in einer Dampfwolke verschwindet, in der ich mich gern verstecke. Weil … weil ich duschen hasse.

Denn nach dem Duschen kommt der Spiegel. Erst noch beschlagen. Damit meine Haare nicht wie ein Steckdosenunfall aussehen, muss ich sie sehen können. Ich will aber mich nicht sehen. Also schnell abtrocknen und in die Kleidung hüpfen. Danach rette ich mit dem Handtuch den Spiegel vor unklarer Sicht.

Und trotzdem … trotzdem fühlt es sich jedes Mal so an, als würde ich, sobald mein Gesicht erkennbar wird, einen Mängelbericht abhaken. Wie in einer Werkstatt.

Linkes Auge hängt. Muttermal ist heute besonders auffällig. Eingewachsenes Haar links oben leicht entzündet. Erste Nasenhaare strecken ihre Fühler aus. Lippen mal wieder rissig. Und was ist das bitte für ein gelb-oranger Fleck auf der Wange? Ihhh. Ich will ja nicht zu hart zu mir sein. Aber Fakt ist: Im Duden befindet sich beim Wort „Hässlichkeit“ ein Foto von mir. Klaro. Es ist übertrieben. Aber mein Kopf glaubt es jeden Morgen. Ich hasse duschen.

Die K(n)ackpunkte

Das macht die Situation besonders schwer:

  • Ich kann dem Spiegel nicht ausweichen. Er ist einfach da. Und er zeigt mir immer das, was ich nicht sehen will. Er oder ich?

  • Ich vergleiche mich ständig mit anderen. Die sehen morgens aus wie aus der Werbung. Ich wie ein feuchter Wischmopp mit Identitätskrise.

  • Niemand versteht das wirklich. Wenn ich es jemandem sag, kommt: „Ach, du bist doch hübsch!“ Aber das hilft nicht. Im Gegenteil. Fühlt sich an wie Mitleid.

  • Ich hasse, dass ich so denke. Ich will mich nicht hassen. Aber ich kann es irgendwie nicht ändern.

Die Gefühlslage 

Ekel vor dem eigenen Spiegelbild. Scham, weil ich mich so fühle. Wut auf meinen Körper, dass er nicht so aussieht, wie ich will. Traurigkeit, weil ich mich selbst nicht mag. Und Hilflosigkeit, weil ich nicht weiß, wie ich aus diesem Gedankenkreisel rauskommen soll. Plus eine Extraportion Einsamkeit, weil ich glaube, dass ich die Einzige bin, die so denkt.

Der Reality Check

  • Sehen andere Menschen mich wirklich so, wie ich mich sehe? Muss ich mir überhaupt darüber Gedanken machen?

  • Was genau stört mich? Ist es wirklich mein Gesicht oder ist es das Gefühl, nicht gut genug zu sein? Für wen nicht gut genug zu sein?

  • Was würde passieren, wenn ich den Spiegel einfach mal eine ganze Woche ignoriere?

  • Warum sollte das Bild im Spiegel wichtiger sein als der ganze Rest von mir?

Das Pro & Contra Spielchen 

Option A: Ich häng ein Tuch über den Spiegel oder dreh ihn um. Nur morgens. Nur für ne Weile.

  • Pro: Ich muss mich nicht mehr jeden Tag sehen. Vielleicht wird es dadurch leichter.

  • Contra: Irgendwann muss ich wieder in den Spiegel schauen. Außerdem: Was ist mit meinen Haaren? Und will ich mein ganzes Leben Spiegel mit Tüchern abdecken?

Option B: Ich probier jeden Morgen einen Teil von mir zu finden, den ich mag. Irgendwas. Und wenn es meine Sommersprosse Nr. 23 ist.

  • Pro: Vielleicht trainiere ich mein Gehirn langsam um und es sieht nicht mehr nur DAS, was hässlich ist.

  • Contra: Und wenn ich nichts finde? Dann … Dann ist es ganz vorbei.

Option C: Ich versuche nicht zu bewerten. Ich bin nicht schön. Nicht hässlich. Nicht anders. Ich bin ich. (Kindheitserinnerungen kicken – „Das kleine Ich bin ich“. Ach ja, da war die Welt noch leicht.)

  • Pro: Kein morgendlicher Stress mehr. Meine Gehirnkapazitäten werden nicht schon in aller Früh aufgebraucht.

  • Contra: Kriege ich das überhaupt an?

Illustration zur Gefühlsanalyse – eine Person schaut kritisch in den Spiegel

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Bevor du gehst

Na, wie hat dir meine Gefühlsanalyse gefallen? Willst du die Methode selber mal ausprobieren? Nur zu. 

Wenn du noch mehr über Gefühle erfah ... höö ... erfühlen willst, dann geht es hier weiter:

Hilfe findest du bei Bedarf auf dieser Seite: Anlaufstellen für Hilfe. Die inhaltlichen Grundlagen der Texte  sind im Quellenverzeichnis transparent aufgeführt.

Kazupi – Logo der Figur Kazupi
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